Anna und die Haustiere

17:00 - 17:15 // Bengalkatze
Kindersendung, D 2017
Da geht man täglich zur Arbeit, aber am Monatsende bleibt vom Lohn kaum was übrig. Und schon rutscht man in die Miesen. Immer mehr Menschen fühlen sich trotz Vollzeitjob von Armut bedroht. Der Mindestlohn sollte Abhilfe schaffen. Er sei der wichtigste Baustein im Kampf gegen Armut: 9,35 Euro beträgt er seit Januar 2020. Gerade in Großstädten reicht dieses Gehalt gerade so, ein existenzsicherndes Niveau zu erreichen. Und oft genug wird er unterlaufen. Die Sondereinheit "Finanzkontrolle Schwarzarbeit" des Zoll überwacht die Einhaltung des Mindestlohns. Auf dem Autobahnparkplatz nahe Gelsenkirchen findet eine Kontrolle statt. 20 Zollbeamte winken vor allem die flinken Lieferwagen der Paketzusteller raus. Sie überprüfen die Papiere und wollen wissen, wie viele Stunden der Mann hinterm Steuer arbeitet und wie hoch sein Verdienst ist. Manche Zusteller arbeiten länger, als sie bezahlt werden, um alle Pakete zuzustellen. Das wäre dann ein Verstoß gegen den Mindestlohn. Seit 2015 gibt es in Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn. Die Zahl der Verstöße, die der Zoll feststellt, steigt. 2018 wurde in 2744 Fällen der Mindestlohn unterlaufen. Rund vier Millionen Menschen arbeiten in Deutschland für den Mindestlohn. Es gibt vielfältige Tricks der Arbeitgeber, den Mindestlohn zu umgehen. So werden Friseurinnen oft nur in Teilzeit beschäftigt, tatsächlich arbeiten sie aber mehr als die vereinbarten 20 Stunden. Die Überstunden werden aber nicht bezahlt. Ähnlich verhält es sich bei Gebäudereinigern: Manche bekommen so viele Hausflure zugeteilt, dass das Pensum nicht in der normalen Arbeitszeit zu schaffen ist. Der 49-jährige Ömer in Berlin arbeitet regelmäßig seine Mittagspause durch, weil er sonst die vielen Häuser nicht richtig saubermachen kann. Bezahlt wird die Mehrarbeit nicht. Aber selbst wenn der Mindestlohn korrekt bezahlt wird, wie lebt man damit? Ömer muss in Berlin gut die Hälfte seines Verdienstes für die Miete aufwenden. "Miete zahlen und satt werden, mehr ist nicht drin", sagt Ömer. Es schmerzt ihn, dass er nicht genug verdient. Gern würde er seinen Sohn besser unterstützen. Susanne aus Bochum reinigt in einer Klinik die Krankenbetten. Sie hat ihr ganzes Leben gearbeitet und nie viel Lohn erhalten. In 18 Jahren geht sie in Rente. Mit dem Mindestlohn hat sie sich einen Rentenanspruch von rund 720 Euro erarbeitet. Mit der neuen Grundrente werden es vielleicht mal 950 Euro sein. Zum Leben wird das aber wohl auch nicht reichen. Sie stellt sich jetzt schon darauf ein, auch als Rentnerin noch weiterzuarbeiten. "Wutsache: Mindestlohn" ist Teil einer dreiteiligen Reihe der "ZDF.reportage". Ziel ist es, Themen, die die Bürger im Alltag als Ungerechtigkeit empfinden, darzustellen.