Still Alice - Mein Leben ohne Gestern

00:30 - 02:05
Drama, USA/GB/F 2014
Regie: Richard Glatzer, Wash Westmoreland
Mit: Julianne Moore, Alec Baldwin, Kristen Stewart, Kate Bosworth, Hunter Parrish, Victoria Cartagena, Erin Darke, Shane McRae, Stephen Kunken
Bereits mit Anfang 50 wird bei der Professorin Alice Howland Alzheimer diagnostiziert. Ab da muss sie sich den Veränderungen stellen, die die fortschreitende Krankheit mit sich bringt. Für Alice ist es, als bräche der Boden unter ihren Füßen weg. Zunächst fehlen ihr die Worte, am Ende erkennt sie ihre Tochter nicht mehr. - Julianne Moore erhielt für ihre Darstellung der an Alzheimer erkrankten Alice 2015 einen Oscar als Beste Hauptdarstellerin. Alice Howland ist eine renommierte Linguistik-Professorin an der New Yorker Columbia Universität. Sie führt eine glückliche Ehe mit ihrem Mann John, einem Arzt, und hat drei erwachsene Kinder. Als Alice merkt, dass ihr Gedächtnis nachlässt, sucht sie einen Spezialisten auf. Aufgrund von Tests und Untersuchungen wird bei ihr eine erblich bedingte frühe Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert. Einige Zeit später muss Alice ihre Professur aufgeben. Die anspruchsvolle Arbeit mit den Vorlesungen stellt eine zu hohe Belastung dar. Es gab Beschwerden der Studenten über Alices fahrigen Stil. Auch die Familie, insbesondere John, sieht sich zunehmend mit der schnell fortschreitenden Erkrankung konfrontiert, die auch einen gewissen Grad an körperlichem Verfall nach sich zieht. Zwar erlebt Alice auch immer wieder Glücksmomente wie den hoch gelobten Vortrag über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Krankheit vor der amerikanischen Alzheimer-Gesellschaft, ebenso wie die Geburt ihrer beiden Enkelkinder, als Tochter Anna Zwillinge zur Welt bringt, oder die Bühnenauftritte von Tochter Lydia, die in Los Angeles lebt. Ihr Handy wird für Alice zu einem wichtigen Begleiter. Als sie es eines Nachts nicht mehr finden kann, erleidet sie eine Panikattacke. Auch der am Anfang der Erkrankung sorgfältig geplante Suizid scheitert, weil sie sich nicht mehr erinnern kann, wo sie die Tabletten deponiert hat. Alice kann dem Verlust ihrer kognitiven Fähigkeiten und Erinnerungen nicht entkommen. "Still Alice" ist die Verfilmung eines Romans der Neurobiologin Lisa Genova. Richard Glatzer, Teil des Regieteams, litt selbst an einer schweren, fortschreitenden Krankheit: ALS. Sie behinderte ihn bereits während der Dreharbeiten schwer. Am 10. März 2015 starb er in Los Angeles. Am 22. Februar 2015 wurde Julianne Moore für ihre Verkörperung der Alice mit einem Oscar als Beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. "Längst überfällig", befand "Der Spiegel" in seiner Chronik 2015, in der er Moore als "Die Frau der Zukunft" titulierte und über ihre Oscar-reife Leistung schrieb: "Wenn sie als Linguistik-Professorin in 'Still Alice' mit aller Kraft gegen das Alter kämpft, dann nicht deshalb, weil es den Körper aufzehrt, sondern den Geist. Sie spielt eine Frau, die merkt, dass sie durch Alzheimer die Kontrolle über sich und ihr Leben verliert, dass sie nicht mehr Herr im eigenen Kopf ist. Dieser Kampf ist genau deshalb so ergreifend, weil Julianne Moore ein Inbild weiblicher Souveränität ist." ALS ist eine Nervenkrankheit, die nach und nach die Muskeln lahmlegt. Julianne Moore über den Regisseur: "Während der Dreharbeiten konnte er mit uns nur noch über ein Sprachprogramm mit seinem iPad kommunizieren. Er ist mit der schmerzlichen Erfahrung vertraut, dass Fähigkeiten, auf die man sich ein Leben lang verlassen hat, allmählich verschwinden." (epd film 3/2015) "Stecken Sie Taschentücher ein und gehen Sie in 'Still Alice'", schrieb die Kritikerin Johanna Adorján anlässlich des deutschen Kinostarts des Films im März 2015 in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sowie: "Der Film kreist um die Frage, was einen Menschen im Kern ausmacht. Speist sich seine Persönlichkeit aus den zu Erinnerungen werdenden Erfahrungen, die er im Laufe seines Lebens sammelt und/oder aus dem Wissen, das er sich erwarb? Und wenn ihm beides entrissen wird, ist er dann noch derselbe Mensch?" Julianne Moore sagte in "epd film" über ihre schwierige Rolle: "Mir war es sehr wichtig, das Verhalten, die körperlichen Veränderungen und sprachlichen Einschränkungen, die mit dieser Krankheit einhergehen, so genau wie möglich darzustellen. (...) Ich glaube, dass vieles in unserem Leben, wenn man es genau betrachtet, nur ein Konstrukt ist. (...) Aber was macht uns letztendlich zum Menschen? Es klingt vielleicht ein wenig hochtrabend, aber das ist die entscheidende Frage, die der Film stellt, ohne sie selbst beantworten zu wollen."