Da Vinci, or not da Vinci?

09:50 - 11:20 // Das Rätsel um die Madona
Wissen, F 2018
Regie: Frédéric Wilner
Das Gemälde "Madonna mit der Spindel" entstand Anfang des 16. Jahrhunderts, war bis 1809 verschollen und tauchte bei einer Auktion in Paris wieder auf, wo es der britische Aristokrat Marquess of Lansdowne ersteigerte. Das Bild galt unter Experten lange Zeit als hervorragende Kopie aus der Werkstatt Leonardo da Vincis, bis zu dem Tag, an dem der aktuelle Besitzer das Gemälde einer der weltweit besten Restauratorinnen, Cinzia Pasquali, anvertraute. Drei Jahre lang wurde das Bild unter Aufsicht zweier Experten des Opificio delle Pietre Dure in Florenz sorgsam gereinigt. Parallel wurde es von Vincent Delieuvin unter die Lupe genommen, der im Pariser Louvre für Leonardos Werke verantwortlich ist. Er untersuchte Komposition, Maltechnik, Pigmentstruktur sowie Vorzeichnung und stellte Vergleiche mit der "Mona Lisa" sowie "Anna selbdritt" an - zwei von Leonardos Meisterwerken, die im Louvre hängen und zur selben Zeit entstanden wie die "Madonna mit der Spindel". Ferner machten sich Cinzia Pasquali, Vincent Delieuvin und die italienischen Experten des Opificio delle Pietre Dure auf Spurensuche in ganz Europa, um die Entstehungsgeschichte der "Madonna" zu erforschen. Leonardo war zu jener Zeit bereits berühmt und bekam Aufträge von höchster Stelle. Zahlreiche Indizien wie offizielle Briefwechsel und persönliche Notizen des Künstlers führten zu einer erstaunlichen Hypothese: Das Gemälde wäre demnach keine Kopie, sondern ein Original aus der Hand des italienischen Meisters. Doch was ist mit der anderen Fassung der "Madonna mit der Spindel", die sich derzeit in Schottland befindet und von zahlreichen Sachverständigen als ein Werk eingestuft wird, das zumindest teilweise von Leonardo gemalt wurde? Stammen womöglich beide Gemälde aus seiner Hand?