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12:31 - 13:00
Zeitgeschehen, CH 2019
Etwa zwei Prozent der Schweizer haben einen IQ von 130 und mehr. Sie gelten als "hochbegabt". In Zürich gibt es eine eigene Schule für solche Kinder: die Talenta. Sie ist umstritten. Xaver Heer ist studierter Biologe, zudem ausgebildeter Primar- und Gymnasiallehrer. Er hat einen hochbegabten Sohn und musste feststellen, dass es für solche Kinder keine maßgeschneiderten Schulangebote gab. Sehr wohl aber eine Nachfrage. Also lancierte er 1998 in der Stadt Zürich ein schweizweit einmaliges Pilotprojekt: Unter dem Titel "Talenta" wurden neun hochbegabte Kinder zwischen sieben und zehn Jahren in einer eigenen Klasse unterrichtet. Der Gegenwind aus der staatlichen Bildungswelt war enorm - und ist es geblieben. Dass Hochbegabte unter sich sein sollen, war und ist vielen suspekt. Über 20 Jahre später hat die Talenta ein eigenes Schulhaus im Zürcher Kreis 6 und unterrichtet rund 50 Kinder, allesamt hochbegabt. Die zehnjährige Michelle Jacober ist eines dieser Kinder. Die intellektuelle Überfliegerin aus dem Glarnerland ging gerne in den Kindergarten und freute sich auf die Schule. Dort begannen allerdings bald die Probleme: Michelle war unterfordert und verlor das Interesse am Lernen. Sie begann zu schwänzen, zog sich zurück. Und ihr Gemüt verdunkelte sich zusehends. Das änderte sich erst, als sie an die Talenta wechselte. "Wir haben unsere fröhliche und aufgestellte Tochter wieder", sagt Monika Jacober. Die Talenta ist nicht mehr die einzige Schule für Hochbegabte. Das Angebot ist gewachsen - und steht quer in der Bildungslandschaft, stellt Reporter Simon Christen fest. In der Pädagogik geben die Befürworter einer "inklusiven Beschulung" den Ton an. Hochbegabte, Minderbegabte und alle dazwischen sollen in die gleiche Klasse gehen. Keinen ausschließen, alle einschließen. Inklusion statt Exklusion. Die Talenta sondere Hochbegabte ab und bringe sie um wichtige Lernerfahrungen im Umgang mit sozialer Vielfalt, argumentieren Kritiker. Xaver Heer sieht das ganz anders: "Es konnte mir noch niemand beweisen, dass das, was wir machen, den Kindern schadet." Im Gegenteil, die Kinder, die in seine Schule gingen, seien zufrieden. Und das sei doch die Hauptsache.