Effi Briest oder die Elastizität des Herzens

19:20 - 20:00
Literatur, D 2019
2019 ist Fontane-Jahr. Am 30. Dezember wird der 200. Geburtstag des Dichters gefeiert, der den realistischen Roman in Deutschland etablierte. Sein wohl bekanntestes Werk ist "Effi Briest". Es wurde fünfmal verfilmt, so oft wie kein anderer deutschsprachiger Roman. Die Dokumentation zeigt, wie Fontane mit Effi eine emblematische Frauenfigur erschaffen hat, die wohl auch in Zukunft keine Generation ganz unberührt lassen wird. Mehrere Generationen haben Effi durch die unterschiedlichen Verfilmungen kennengelernt. Was erzählen diese Verfilmungen über das jeweilige historische Frauenbild? Längst ist "Effi Briest" Teil unseres kulturellen Erbes geworden. Wie ist Fontanes eigene Haltung zu ihr, warum beschäftigte sie ihn so? Kann man den Dichter mit der Liebe zu den ausdifferenzierten Frauenfiguren vielleicht sogar als einen frühen Wegbereiter weiblicher Emanzipationsbemühungen verstehen? Die erste "Effi Briest"-Verfilmung fiel in die Zeit des Nationalsozialismus: Gustav Gründgens inszenierte den Stoff 1939 in seinem Privatschloss in Zeesen mit seiner Frau Marianne Hoppe in der Hauptrolle. Die nächste "Leinwand-Effi" ist eine der Wirtschaftswunderzeit. Auf dem Rittergut Besenhausen setzte Regisseur Rudolf Jugert 1955 die junge Ruth Leuwerik in "Rosen im Herbst" in Szene. Ende der 1960er-Jahre widmeten sich in der DDR die DEFA-Studios dem Stoff, in der Hauptrolle Angelika Domröse. 1974 spielte Hanna Schygulla Effi, Regie führte Rainer Werner Fassbinder. Drehort war Schloss Bredeneek in Norddeutschland. Schließlich die jüngste Verfilmung: Hermine Huntgeburth inszeniert Effi Briest auf Schloss Marquardt bei Potsdam. Die Effi von 2009, dargestellt von Julia Jentsch, erlebt auf der Leinwand sowohl Vergewaltigung als auch sexuelle Erfüllung. Fünfmal "Effi Briest" - und eine spannende Zeitreise zu den ehemaligen Drehorten, mit Filmausschnitten und Dokumenten, die das jeweilige Frauenbild widerspiegeln. Expertinnen begleiten diese filmische Reise. Darunter die Leiterin des Potsdamer Filmmuseums Ursula von Keitz, die sich intensiv mit den Effi-Filmen beschäftigt hat. Die junge Dresdner Historikerin Jessica Bock erklärt, warum die spezifischen Rollenbesetzungen so viel über das jeweils herrschende Frauenbild preisgeben. Die Lyrikerin Nora Gomringer schwärmt von ihrer Lieblingsverfilmung des Effi-Stoffes, und in der noch unglaublich gut erhaltenen Fontane-Apotheke erklärt Regina Dieterle, die Zürcher Biografin Fontanes, warum der Dichter immer schon einen besonderen Zugang zu Frauen hatte. Nach dem Fontane-Jahr mit seinen unzähligen Veranstaltungen wird es wieder ruhiger um den Schriftsteller werden. Ganz sicher aber wird es in der nächsten Generation eine sechste Effi-Verfilmung geben. Die Dokumentation verrät, warum. Redaktionshinweis: Mit "Effi Briest oder die Elastizität des Herzens" erinnert 3sat an den 200. Geburtstag von Theodor Fontane am 30. Dezember. Aus demselben Anlass folgt um 20.15 Uhr eine der bekanntesten von insgesamt fünf Verfilmungen von Fontanes "Effi Briest": Rainer Werner Fassbinders 1974 entstandener Spielfilm "Fontane Effi Briest" mit Hanna Schygulla in der Titelrolle.