Am Schauplatz

21:05 - 22:00
Reportage, A 2019
Was sind eigentlich die "Freikirchen Österreichs", dieser Bund aus verschiedenen christlichen Gemeinden, der seit sechs Jahren staatlich anerkannt ist? Warum haben die Freikirchen so großen Zulauf, vor allem von jungen Menschen - können sie etwa gefährlich werden? Und was unterscheidet sie von der katholischen und evangelischen Kirche? Seit vor einem halben Jahr bei dem Riesenevent "Awakening Europe" in der Wiener Stadthalle ÖVP-Chef Sebastian Kurz vor tausenden Christen verschiedener Konfessionen von einem australischen Prediger auf der Bühne gesegnet wurde, sind diese Fragen wieder aufgetaucht. Tiba Marchetti ist ihnen nachgegangen: sie hat Pastorinnen und Pastoren von Pfingstgemeinden und Evangelikalen beim Gottesdienst und daheim getroffen; hat vom heiligen Geist beseelte Gläubige gefragt, was die Zungensprache bedeutet, in der sie beten; war bei Heilungsgebeten und Dämonenaustreibungen dabei und hat junge Gläubige um ihre Meinung zu Homosexualität, die Rolle der Frau und Sex vor der Ehe gebeten. Herausgekommen ist ein sehr facettenreiches Bild. Gemeinsam ist den Gläubigen dieser vielen Gemeinden jedenfalls, dass sie ihre Gottesdienste laut feiern, viel Zeit in der Gemeinde verbringen, sich erst als Erwachsene taufen lassen, einen meist sehr professionellen Internetauftritt haben und zehn Prozent von ihrem Einkommen an die Gemeinde abgeben. Es ist eine Religionsgemeinschaft im jungen Gewand mit konservativen Werte - denn das Wort Gottes, die Bibel, nehmen die Freikirchen wörtlich.