Armes Deutschland - Stempeln oder abrackern?

22:15 - 23:15
Gesellschaft + Soziales, D 2015
Horst (48) und seine Verlobte Sabine (44) sind der Meinung, dass in Deutschland einiges schiefläuft. Das Paar aus Solingen hat keinen Strom, keinen Job und kein Geld, die Schulden der beiden belaufen sich auf über 200.000 Euro. Aktiv etwas daran ändern kann das Paar nicht, denn immer wieder räumen sie sich selbst Steine in den Weg. "Ohne Strom können wir uns nicht richtig waschen und so kann man sich ja nicht bewerben". Die Liste der Gründe, aus denen sie keinen Job finden, ist lang. Und das seit über neun Jahren bei Horst und seit fast zwei Jahren bei Sabine. Mit Vorstrafen, Krankheiten, mangelnden Sprachkenntnissen und keiner Motivation ist es auch nicht einfach, einen passenden Job zu finden - noch dazu müsste die Bezahlung natürlich stimmen. Eine Lebenseinstellung, die Andreas (46) nicht nachvollziehen kann. Der Münchener lebt zwar auch vom Jobcenter, bleibt aber nie untätig zu Hause sitzen. Andreas ist Tagelöhner und geht jeden Morgen um sechs Uhr zur Tagesjobvermittlung. Häufig macht er sich umsonst auf den Weg, da es nicht immer genug Jobs für alle gibt. Andreas ist bei der Auswahl nicht wählerisch, er freut sich über jede Tätigkeit. 254 Euro Hartz IV bekommt er monatlich und 200 Euro darf er sich dazuverdienen. Eigentlich könnte sich der gelernte Betriebsschlosser auch den täglichen Gang zur Sofortvermittlung sparen und von Hartz IV leben, aber das würde für ihn nie in Frage kommen: "Durch die verschiedenen Tagesjobs hab ich immer eine Chance einen richtigen Job zu bekommen."