Exclusiv im Ersten

04:30 - 05:03
Gesellschaft + Soziales, D 2018
Eine Wurfsendung im Briefkasten: "Ich helfe Ihnen, kaufe ein, erledige Behördengänge." Die 93-jährige noch rüstige Dame hält das für eine gute Idee und ruft den Mann an. Acht Wochen später hat der vermeintlich nette Helfer eine Generalvollmacht und kurz darauf gehört ihm das Vermögen der alten Dame: 1,3 Millionen Euro in Immobilien. Dieser Fall ist beispielhaft für eine neue Masche: Skrupellose Ausbeuter täuschen Fürsorge vor und erschleichen sich so Vorsorgevollmachten als Schlüssel zum Vermögen betagter Menschen. Es geht um riesige Summen. Jedes Jahr werden in Deutschland 400 Milliarden Euro vererbt. Ein lukratives Feld für Erbschleicher: Ob Senioren-Romeos oder vermeintlich wohlmeinende Nachbarn - sie haben es auf alte Menschen abgesehen, die noch geschäftsfähig, aber in ihrer Lebensphase besonders verletzlich und leicht zu manipulieren sind. Ist die Vollmacht erst erteilt, werden die Opfer konsequent von Familienmitgliedern und Freunden isoliert, dann Konten und Vermögen abgeräumt. Die Folgen sind dramatisch: Die alten Menschen sterben oft vereinsamt, Familie und Freunde müssen das hilflos miterleben und zusehen, wie Millionenvermögen verschwinden. Eine Ordensfrau aus München ist zur Anlaufstelle für Opfer dieses finanziellen Missbrauchs geworden: Schwester Bernadette. Sie kennt hunderte Fälle. Besonders empört es Schwester Bernadette, dass solche Erbschleicherei in Deutschland häufig nicht strafrechtlich verfolgt wird und Senioren keinen juristischen Schutz genießen. Die Autorinnen der "Exclusiv im Ersten"-Reportage, Monika Anthes und Manuela Dursun, gehen der Frage nach, wie es möglich sein kann, dass immer mehr Menschen in dieser "Fürsorge-Falle" landen. Bundesweit sprechen sie mit betroffenen Senioren und traumatisierten Hinterbliebenen. Sie decken auf, dass hinter dem Vorgehen eine Systematik steckt, der die Menschen weitgehend schutzlos ausgeliefert sind. Sie konfrontieren Täter und auch die Politik mit ihren Recherchen und zeigen auf, dass es in anderen Ländern gelungen ist, ältere Menschen besser vor finanziellem Missbrauch zu schützen.