Die Freiheitskämpfe der Frauen

00:45 - 01:30 // 100 Jahre Frauenwahlrecht
Gesellschaft + Soziales, D 2018
Zum 100. Jahrestag der Einführung des Frauenwahlrechts im Jahr 1918 in Deutschland und Österreich stellt die Dokumentation die aktuellen Freiheitskämpfe der Frauen vor. Für echte Gleichberechtigung muss noch immer gekämpft werden. Zwar sind Frauen heute formal gleichgestellt, aber noch durch verkrustete Machtstrukturen benachteiligt. Zudem gibt es neue antifeministische Tendenzen, vor allem im Umfeld rechtspopulistischer Bewegungen. Deshalb streitet die Frauenbewegung inzwischen mit und für die gesamte liberale Gesellschaft, wie etwa in Polen, den USA oder beim Generalstreik der Frauen in Spanien, bei dem Millionen Menschen jeden Alters und Geschlechts auf die Straße gingen. Frauenrechte sind ein Gradmesser für Demokratie - und Frauenthemen sind längst Gesellschaftsthemen: Mitbestimmung, Lohngerechtigkeit, Pflege, Bildung und Erziehung. Die Dokumentation beginnt mit den aktuellen Protestbewegungen junger Frauen: Wofür gehen sie heute auf die Straße? Darauf folgt ein kurzer historischer Rückblick auf den Kampf um das Frauenwahlrecht, zuletzt errungen in den 1990er-Jahren in der Schweiz. "Die Frauen mussten sich das alles erobern, ihren eigenen Körper, ihre eigene Lust und ihre politische Haltung, das gehörte alles zusammen", sagt Petra Volpe, deren Film "Die göttliche Ordnung" den Kampf fürs Frauenstimmrecht in der Schweiz in der Aufbruchszeit der 1970er-Jahre zeigt. Doch damit war es noch lange nicht zu Ende: "Ich sah mich mittendrin in dem Film", erzählt Vreni Kölbener, die noch bis 1991 im Kanton Appenzell-Innerrhoden für das Wahlrecht streiten musste. "Das sind unsere großen Vorbilder. Heute geht es vor allem um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, und gleiche Entlohnung", fügt die junge Appenzellerin Leandra Hörler hinzu. In Deutschland geht es heute um das passive Wahlrecht: Im Bundestag hat sich der Frauenanteil drastisch verringert, in manchen Länderparlamenten liegt er bei 25 Prozent, es gibt nur zehn Prozent Bürgermeisterinnen im gesamten Bundesgebiet. Bundesweit engagieren sich deshalb Initiativen für Wahlrechtsreformen nach dem Vorbild vieler Länder, allen voran Frankreich. "Die mangelnde Beteiligung von Frauen ist schlicht Verfassungsbruch in Permanenz", sagte die Juristin Elisabeth Selbert, "Mutter" des Grundgesetzes. Auch in der Wirtschaft fordern Frauen mehr Beteiligung, wie die "Initiative für mehr Frauen in die Aufsichtsräte": Nur, wer gleichberechtigt vertreten ist, kann auch gleichberechtigte Gesetze und Regelungen durchsetzen. "#MeToo ist ein Gesprächsangebot", sagt Schauspielerin & Co.medy-Star Maren Kroymann. "Was ist bei uns normal, was finden wir gut, wie sollte es sein - und was ist Machtmissbrauch?" In Hollywood führte die #MeToo-Debatte zur Gründung der Stiftung #TimesUp zur Unterstützung von Frauen gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Wie sehen die Lösungen in Europa aus? Auch in Kunst und Kultur herrscht eine stillschweigende Männerquote um 80 Prozent, wie Studien zeigen. Obwohl im Filmbereich ebenso viele Frauen studieren, arbeitet hinterher nur ein Bruchteil im erlernten Beruf. In der Regel verschwinden Frauen ab 30 Jahren vom Fernsehschirm, ab 25 gar schon von der Kinoleinwand. Doch wenn ihre Geschichten nicht erzählt werden, gibt es auch keine Vorbilder für ein anderes Leben. Dagegen engagiert sich Pro Quote Film. "Das ist ein Kampf für unsere Töchter", sagt die Schauspielerin Jasmin Tabatabai, "und auch für die Frauen in anderen Ländern", in denen Frauen noch stärker in ihren Rechten beschnitten werden. Seit über 100 Jahren ist das Thema aktuell: Auf der ganzen Welt wird heute erneut über Abtreibung und das Bestimmungsrecht über den eigenen Körper diskutiert. In Deutschland stehen Ärztinnen und Ärzte vor Gericht, weil sie im Internet angeben, Schwangerschaftsabbrüche durchzuführen. Es gibt jedoch für Frauen keine neutralen Informationsangebote - und an vielen Orten bereits keine Ärztinnen oder Ärzte mehr, die Abbrüche durchführen, obwohl dies gesetzlich erlaubt ist. Der Film begleitet den Fall der Gießener Ärztin Kristina Hänel, der derzeit Rechtsgeschichte schreibt. Kristina Hänel wird Werbung für den Schwangerschaftsabbruch vorgeworfen.