Bata, ein Schuhmacher erobert die Welt

23:25 - 00:40
Wirtschaft + Konsum, CZ/F 2018
Regie: Peter Kerekes
Im späten 19. Jahrhundert gründete der Schuster Tomas Bata in Zlin, im heutigen Tschechien, den ersten multinationalen Konzern. Die ganze Welt sollte seine Schuhe tragen! Bata pflegte einen paternalistisch-kapitalistischen Führungsstil, der in Indien, Afrika und Südamerika noch heute sehr verbreitet ist. Sein Erfolgsrezept: hochwertige Schuhe und zufriedene Arbeiter! Er wusste, wie hart die Arbeit seiner Angestellten war. Er schätzte ihr Fachwissen und beteiligte sie am Gewinn, machte sich Gedanken um Arbeitsbedingungen und -umfeld, erwartete aber auch höchsten Einsatz. 1928 war er der weltweit größte Schuhexporteur - doch das reichte ihm nicht "Bewegung ist Leben, Stillstand ist Tod", so lautete seine Devise. Sein Geist war immer wach, er setzte sich hohe Ziele und handelte oft exzessiv. 1932 starb Tomas Bata bei einem Flugzeugabsturz. Sein Bruder Jan Antonin übernahm die Geschäfte. Inspiriert von den Ideen Henry Fords, entwickelte er die Schuhproduktion am Fließband und baute für die Angestellten avantgardistische Industriestädte mit Schulen, Ausbildungsstätten und Sportanlagen. Seine Unternehmenspolitik distanzierte sich bewusst von den herrschenden Ideologien der Zeit (Kommunismus, Faschismus, Anarchismus), bekannte sich aber zu einer globalkapitalistisch-paternalistischen Vision, die den BataAngestellten zwar gewisse Privilegien verschaffte, sie aber auch unter ständigen Produktivitätszwang stellte. Wo verläuft die Grenze zwischen Utopie und Totalitarismus? Wie weit darf man in seinem Ehrgeiz gehen?