Im Kontext - Die Reportage

15:05 - 16:05
Gesellschaft + Soziales, A 2018
"Menschenversuche klingen natürlich brutal. Aber ich denke, jeder, der ein sicheres Arzneimittel haben möchte, der muss ja sagen zur klinischen Forschung. Und wenn man ja sagt zur klinischen Forschung, sagt man auch ja zu Arzneimittelstudien an gesunden Probanden." Markus Zeitlinger ist Vorstand der Universitätsklinik für klinische Pharmakologie. Seine Abteilung, die sich am Wiener AKH befindet, umfasst 50 Mitarbeiter und ist auf sogenannte "First-In-Man"-Studien spezialisiert. Bei diesen Studien werden neue Wirkstoffe erstmals am Menschen getestet. Für diese "Phase-1"-Tests stellen sich gesunde Probanden freiwillig und gegen Geld zur Verfügung. Sie verbringen einen ganzen Tag, manchmal auch mehrere Tage und Nächte auf einer eigens dafür vorgesehenen Station und lassen sich Medikamente aller Art verabreichen. Im Stundentakt wird ihnen Blut abgenommen. Im Jahr 2017 wurden in Österreich 453 Studien an 5.189 Patienten durchgeführt. 22 Studien davon waren sogenannte Phase-I-Studien. Dafür werden völlig gesunde Menschen herangezogen, um potenzielle Nebenwirkungen, Anfluten des Wirkstoffes im Körper, Wirkstoffverteilung, Metabolisierung und Ausscheidung zu untersuchen. In Phase II geht es um die Dosisfindung am Patienten, erst in Phase III um die Wirksamkeit, ebenfalls getestet am kranken Menschen. Für alle drei Phasen werden Testpersonen gebraucht. Wie sicher sind Medikamententests heute? Wieso verlagern Pharma-Unternehmen so viele klinische Studien in Schwellen- und Entwicklungsländer?