Deutschland-Reportage

04:20 - 04:53
Reportage, D 2018
Sein Leben ist massiv bedroht: Hamed Abdel-Samad, 46 Jahre, Schriftsteller und deutscher Staatsbürger. Als einer der ganz wenigen Menschen lebt er, obwohl er kein öffentliches Amt bekleidet, seit fünf Jahren unter engmaschigem Polizeischutz: 24-Stunden Rundumbewachung durch eine Spezialeinheit des Landeskriminalamtes Berlin, keinen festen Wohnsitz, Bewegung in gepanzerten Fahrzeugen, sogar im Flugzeug fliegen bewaffnete Beamte mit. Ein Leben, fast so abgesichert wie das der Bundeskanzlerin. Grund dafür ist ein internationaler Mordaufruf, der im Juni 2013 zunächst von ägyptischen Dschihadisten, dann 2015 sogar von deutschen Salafisten übers Fernsehen und im Internet verbreitet wurde. Die Fatwa ist bis heute in Kraft. Auslöser war ein Vortrag des gebürtigen Ägypters an der Universität von Kairo und seine Publikation islamkritischer Thesen, die er in Deutschland auch in seinen Büchern "Der islamische Faschismus" oder "Mohammed - eine Abrechnung" publiziert hat. Seitdem schützt das Land Berlin den prominenten deutschen Islamkritiker. Abdel-Samad hat sich entschlossen, nicht abzutauchen und keine falsche Identität anzunehmen. Er will weiter schreiben und hat den Mut, seine Thesen zu Reformen des Islams weiterhin in öffentlichen Lesungen vorzustellen. Derzeit reist er mit seinem aktuellen Titel: "Integration - Protokoll eines Scheiterns" durch Deutschland. Denn das Recht, seine Meinung frei zu äußern, sieht Abdel-Samad als höchsten Wert einer offenen Gesellschaft an. Den Preis, den er dafür zahlt, erleben wir in diesem Film: sich nicht mehr frei und ohne Schutz bewegen zu können, Verzicht auf Familie, auf ein Zuhause. Ein hoher Einsatz für dieses Menschenrecht. Die Reportage begleitet Hamed Abdel-Samad bei streng abgesicherten öffentlichen Lesungen, an geheimen Orten im Alltag und bei seltenen Treffen mit Freunden. Der Film gibt auch erstmals exklusiv Einblicke in die riskante Arbeit von Personenschützern.