Schuld ohne Sühne?

22:55 - 23:40 // Die Kirche und der sexuelle Missbrauch
Gesellschaft + Soziales, D 2019
Bedrückende Vorwürfe an die Institution Kirche Der Film von Mona Botros und Thomas Schneider macht deutlich, welche Schicksale und welche Geschichten mutmaßlichen Missbrauchs sich hinter den bloßen Zahlen der Studie verbergen. Daneben zeigt der Film aber auch, dass es in der Institution Kirche gärt und dass im Zuge der gesellschaftlichen Diskussion inzwischen jahrhundertealte Traditionen der Kirche nicht mehr als unantastbar gelten. Das betrifft auch den Zölibat. Dazu der Jesuit Prof. Hans Zollner, Vizerektor der päpstlichen Universität Gregoriana im Vatikan und Mitglied der päpstlichen Kommission zum Schutz Minderjähriger im ARD-Film: "Frühere protestantische, lutherische Pfarrer, die katholisch geworden sind und vorher verheiratet waren, leben auch natürlich in ihrer Ehe weiter. Also das gibt es ja auch in der katholischen Kirche. Insofern sieht man, dass das nicht ein wasserdichtes Gesetz ist, dass 100prozentig für alle gilt bzw. auch für alle Zeit gelten muss. () Und der Papst selbst hat die Möglichkeit eröffnet, darüber zu reden, ob das für alle, in allen Weltgegenden auf Zukunft hin vorgeschrieben werden muss. () Wahrscheinlich gibt es eine größere Bandbreite, in ein paar Jahren oder ein paar Jahrzehnten, von priesterlichen Lebensformen." Dass der Zölibat, das priesterliche Versprechen zu Enthaltsamkeit und Ehelosigkeit, Kleriker in prekäre Situationen treiben kann, darauf weist der Theologe und Psychotherapeut und Theologe Dr. Wunibald Müller in der Dokumentation hin. Denn unter Umständen sei "das Zölibat und damit auch das Priestertum in besonderer Weise natürlich auch anziehend () für solche, die Angst hatten, sich mit dem Thema Intimität und Sexualität auseinanderzusetzen und die dann gesagt haben, na wenn ich zölibatär lebe, dann muss ich mich eben nicht mit meiner Sexualität auseinandersetzen." Junge Priesteramtskandidaten stellen kritische Fragen Rund 3700 Opfer und 1670 Beschuldigte seit 1946: Diese erschreckende Zahl nennt die Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz von 2018 (sog. MHG-Studie), die sich mit dem sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute befasst. Die Zahlen erschrecken auch junge Männer, die sich auf den Dienst als Priester vorbereiten. Im ARD-Film äußern sie sich durchaus kritisch zu der schleppenden strafrechtlichen und innerkirchlichen Aufarbeitung einzelner Missbrauchsfälle. Seminaristen der Diözese Rottenburg-Stuttgart stellen im Film von Mona Botros und Thomas Schneider kritische Fragen: "Wieso () beauftragt man nicht zur Aufarbeitung dieser Fälle entsprechend externe Leute, die keine Priester sind, die nicht für die Kirche arbeiten und so eine gewisse Unabhängigkeit haben, um zum Beispiel dieser Vertuschungsdimension entgegenzuwirken?" – "Ich finde im Hinblick auf Prävention, dass man ein Klima schafft, wo sich ein Täter nicht verstecken kann und neue Taten immer wieder begeht und wo man ein Klima schafft, wo nix vertuscht wird. Wo ein Opfer, dass sich an die Kirche wendet, sofort Gehör bekommt."