plan b

04:45 - 05:15
Gesellschaft + Soziales, D 2018
Immer häufiger kommt es vor, dass Antibiotika nicht mehr wirken. Die Zahl der Todesfälle steigt. Dabei gibt es eine Medizin, die helfen könnte: spezielle Viren, die Keime zerstören. Die sogenannten Bakteriophagen werden in Georgien seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt. In Westeuropa kennt man sie dagegen kaum. Die Zeit drängt, denn Antibiotikaresistenzen gelten als eine der größten medizinischen Herausforderungen unseres Jahrhunderts. Der Brandenburger Ekkehard Eichler ist nach einer Herz-Operation schwer krank. Antibiotikaresistente Krankheitserreger haben sich in der Operationswunde festgesetzt und auch sein Brustbein angegriffen. Die Folge: eine Knochenhautentzündung. In Deutschland gilt er als austherapiert. Die Ärzte raten ihm zu einer Entnahme des Brustbeins, Eichler will das verhindern. Die Suche nach Alternativen führt ihn nach Tiflis in Georgien, am östlichen Rand Europas. Die Behandlung mit den Bakteriophagen ist in Georgien, das früher Teil der Sowjetunion war, altbekannt. Weil viele Staaten des "Ostblocks" lange kaum Zugang zu Antibiotika hatten, waren sie gezwungen, Infektionserkrankungen anders zu bekämpfen. Mit Viren: Im Eliava-Institut in Tiflis haben sie mit dieser Art der Behandlung mehr Erfahrung als an jedem anderen Ort der Welt. In Deutschland versuchen Wissenschaftler, die Phagen aus Tiflis auch für die EU zugänglich zu machen. Kein leichtes Unterfangen, denn die Viren lassen sich mit den bisher gültigen Zulassungsverfahren für neue Arzneimittel nur schwer unter einen Hut bringen. Immerhin: Eine erste Studie ist auf den Weg gebracht. Mikrobiologen vom Leibniz-Institut suchen nach Phagen, die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts aufbereiten und schließlich von Ärzten der Berliner Charité auf deren Wirkungen geprüft werden. Im Verbund wollen die drei renommierten Institute die bürokratischen Hürden überwinden, damit sich auch Patienten in Deutschland schon bald mit Phagen behandeln lassen können.