Papa ist nicht mein Vater

02:20 - 03:15
Gesellschaft + Soziales, F 2019
Regie: Rémi Delescluse
70.000 Kinder in Frankreich wurden durch künstliche Befruchtung mit Samen anonymer Spender gezeugt. Das Gesetz verwehrt ihnen nach wie vor den Zugang zu Spenderdaten. Als selbst Betroffener begab sich Filmregisseur Rémi Delescluse über ein Jahr lang auf die Suche nach dem Spender, dem er seine Existenz zu verdanken hat. Den Schleier über seine eigene Herkunft zu lüften und dem Spender ein Gesicht zu geben, war Hauptanliegen seiner Recherche. Über die von seiner Mutter aufbewahrte Patientenakte findet er die Hauptakteure seiner Zeugung: die Ärzte, die Anfang der 70er Jahre ein System erdacht hatten, das dem Samenspender völlige Anonymität garantiert. Die Medizin hatte sich zu einem Zeitpunkt in den Zeugungsprozess eingeschaltet, als die französische Gesellschaft noch nicht dafür bereit war. Die Dokumentation enthüllt ein undurchsichtiges System: Erst vor kurzem erfuhr ein regelmäßiger Spender, dass er Vater von über 200 Kindern ist. Im Film kommen auch andere inzwischen erwachsene Samenspender-Kinder zu Wort: Sie gehören der ersten durch künstliche Befruchtung zur Welt gekommenen Generation an, die auf legalem Weg nicht weiterkommt - und über in Frankreich verbotene DNA-Tests Licht ins Dunkel ihrer genetischen Abstammung bringen will. Es gab in Frankreich erste Fälle einer erfolgreichen Suche - wie bei Arthur de Kermalvezen, der die Begegnung mit seinem leiblichen Vater vor laufender Kamera stattfinden ließ. Andere wiederum erfuhren, dass sie eine Halbschwester oder einen Halbbruder haben. Ausgehend von der persönlichen Suche des Autors ergründet die Dokumentation den Mechanismus von Tabus, die Last von Familiengeheimnissen und hinterfragt die neuen Grenzen der Fortpflanzung. Welche Bedeutung hat die Blutsverwandtschaft ohne eine gemeinsame Geschichte?