Grenzenlos radikal

10:04 - 10:42 // Die Performancekünstlerin Marina Abramovic
Künstlerinnenporträt, D 2018
44 Jahre hat sie ihrer Heimat Serbien den Rücken gekehrt. Nun ist sie zurück in ihrer Heimatstadt Belgrad - mit ihrer Retrospektive "The Cleaner": Performance-Künstlerin Marina Abramovi. Die internationale Kunstwelt feiert sie wie einen Hollywoodstar, richtet Ausstellungen für sie aus, überschüttet sie mit Preisen. Eine Rückkehr hatte sie ausgeschlossen. Dass nun "The Cleaner" in Belgrad mit ihr höchst persönlich gezeigt wird, grenzt an ein Wunder. Seit 2017 hatten die Premierministerin Ana Brnabic und der Direktor des zeitgenössischen Museums Belgrad, Slobodan Nakarada, alles darangesetzt, die Ausstellung nach ihren Mega-Stationen in Stockholm, Oslo, Kopenhagen, Florenz, Bonn und zuletzt im polnischen Torun auch nach Belgrad zu holen. Denn das, so hieß es in einem offiziellen Statement, zeige auch den jüngeren Künstlern, dass der Staat ernsthaft die Absicht hat, Kunst und Kultur zu kultivieren und die Qualität des zeitgenössischen Schaffens zu fördern. Bei so viel Engagement willigte Abramovi schließlich ein. Heute, mit 72 Jahren, ist sie weiterhin weltweit erfolgreich. Für den Film nimmt sie den Zuschauer mit in ihr künstlerisches Universum. Im Alter von 29 Jahren verließ Marina Abramovic Jugoslawien. Sie hatte, wie sie in ihrer Autobiografie "Durch Mauern gehen" schrieb, die Nase voll vom Kommunismus. Sie ging zunächst nach Amsterdam, später nach New York, und kehrte nur zurück, um hin und wieder ihre Familie zu besuchen. In dem Film sind Ausschnitte aus ihren wichtigsten Performances im Rahmen der Ausstellung zu sehen. Neben der Künstlerin selbst kommen der Kurator der Schau in Belgrad, Slobodan Nakarada, und ein Weggefährte von Marina Abramovic, Jerko Denegri, zu Wort.