Weltspiegel-Reportage

16:30 - 17:00
Reportage, D 2019
Jedes Jahr im November - wenn die Früchte rund um den Kasanka Naturpark reif sind - schwärzt sich in Sambia der Himmel. Dann kommen Millionen Flughunde aus den Nachbarländern im Park an. Es ist die weltweit größte Wanderung einer Säugetierart. Eine, die seit langem die Menschen fasziniert: Wie finden die Tiere Jahr für Jahr den Weg über hunderte von Kilometern hinweg? Warum kommen sie immer wieder zurück an denselben Ort? Wie genau verläuft ihre Flugroute? Und wie viele Tiere sind es tatsächlich? Thomas Denzel und sein Team begleiten Martin Wikelski und Dina Dechmann vom Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell, wenn sie Flughunde einfangen und Sender an ihnen anbringen, um ihre Flugbewegungen zu erforschen. Doch der Lebensraum der Flughunde ist bedroht. Der Wald, in den sie jedes Jahr zurückkehren, schrumpft. Wilderer legen Feuer - sie hoffen, dass das aus der Asche nachwachsende frische Gras Antilopen anlockt. Heute ist der Wald der Flughunde nur noch 1000 auf 500 Meter groß. Illegale Feuer sind ein großes Problem in der Gegend - auch, weil viele Menschen hier von der Produktion von Holzkohle leben, die sie am Straßenrand verkaufen. Manche Menschen rund um den Park jagen die Tiere und verarbeiten sie zu Zaubermedizin, weil sie ihnen übernatürliche Kräfte zuschreiben. Für die Wildhüter des Naturparks ist es deshalb oft schwer, die Menschen in Sambia vom Schutz der Flughunde zu überzeugen. Sie besuchen Dorfbewohner und Farmer und klären darüber auf, dass die Flughunde nicht nur das Tourismus-Geschäft ankurbeln, sondern auch für die Verbreitung von Pflanzen wichtig sind. Regelmäßig lädt der Naturpark Kinder aus den umliegenden Schulen ein, die Flughunde im Park zu besuchen. Einige Kinder werden gezielt gefördert. Sie bekommen aus den Tourismus-Einnahmen Schulgeld, Bücher und Schuluniform bezahlt und werden so zu Botschaftern des Naturschutzes.