Kellergassen in Niederösterreich

10:00 - 10:45 // Weinkultur und Lebensfreude
Land + Leute, A 2014
Mehr als 1000 Kellergassen zählen zu den prägenden Kulturgütern Niederösterreichs. Früher wurden dort die Trauben gepresst und Wein gelagert. Heute haben oft moderne Produktionsanlagen und Lagerhallen diese Aufgaben übernommen. Die Kellergassen sind zur Touristenattraktion geworden: kleine, meist an Weinhänge geduckte Presshäuser, lauschige Plätze, ansteigende Gassen und einfache Heurigenbetriebe. Die längste Kellergasse Österreichs ist in Hadres. Sehenswert sind auch das dorfähnlich gestaltete Ensemble von Unterstinkenbrunn und der "Galgenberg" von Wildendürnbach, der zur schönsten Kellergasse 2013 gewählt wurde. Die Neuentdeckung der Kellergassen begann in den 1980er-Jahren mit ersten kulinarischen Veranstaltungen und der Wiederbelebung des "In die Grean gehen" am Ostermontag. Auch für zahlreiche Kulturschaffende sind die "Dörfer ohne Rauchfang" inzwischen von großer Bedeutung: So hat Alfred Komarek mit seinen "Polt"-Krimis, die in den Presshäusern und Weinbergen des Weinviertels spielen, den Kellergassen ein literarisches Denkmal gesetzt; und der Maler und Zeichner Karl Korab hat in zahlreichen Arbeiten die typischen Häuserzeilen dokumentiert. Die Bildhauerin und Performance-Künstlerin Elisabeth von Samsonow spielt in ihrem Presshaus auf ungewöhnlichen Klanginstrumenten, die "Kellergassen Compagnie" von Luzia Nistler belebt mit Theaterstücken besondere Kellergassen am Wagram. Architekt Friedrich Kurrent hat für sein Ausstellungshaus zum Werk von Maria Biljan Bilger in archaischen Schwüngen die Wölbungen der Weinkeller aufgegriffen. Die Dokumentation "Kellergassen in Niederösterreich" besucht Kellergassen vom Kamptal über das Weinviertel bis zum Leithagebirge. In poetischen Bildern erzählt sie von grünen Kellertüren, vom Reifen des Weines, von der Lese und von der Kühle in tiefen Kellern.