SEAL Team

19:25 - 20:15 // Konkurrenzkampf
Actionserie, USA 2017
Regie: Melanie Mayron
Mit: David Boreanaz, Max Thieriot, Jessica Paré, Neil Brown jr., A.J. Buckley, Toni Trucks, Sharif Atkins, Alexandra LeMosle, Gonzalo Menendez
Treuhand - das Wort ist bis heute emotionsgeladen: im Osten mehr wegen vermeintlich durch sie erfahrener Ungerechtigkeiten, im Westen wegen vermeintlich verschleuderter Milliarden. Wann immer heute Ost-Westvergleiche in Wahlergebnissen, Wirtschaftskraft oder Lebensbedingungen angestellt werden - die Treuhandanstalt soll für diese Unterschiede verantwortlich sein. Und tatsächlich offenbart sich bei genauer Betrachtung ein durchaus erstaunlicher Einfluss der vor 30 Jahren entstandenen Institution auf das heutige Ost-West-Klima. Der Film führt in die höchsten Etagen der Frankfurter Skyline, aber auch tief in die Berge der Treuhandakten im Bundesarchiv. Die sollen endlich Aufschluss geben, ob die Institution ihren Ruf zurecht verdient. Einen Teil dieser Akten, die heute nach langjähriger Schutzfrist zugänglich sind, können die Filmemacher erstmals analysieren. Sie helfen, dem Mythos Treuhand auf die Spur zu kommen. Wie sehr wird Deutschland im Jahr 2020 tatsächlich noch von der Treuhand geprägt? Ist die gefühlte Spaltung im Land tatsächlich von der Einrichtung angelegt, die vor genau 30 Jahren zum Hauptakteur und Maschinenraum der wirtschaftlichen Wiedervereinigung wurde? Vier Jahre existierte die Treuhand von 1990 an. Sie sollte mit großer Geschwindigkeit die ostdeutsche Wirtschaft von der Plan- in die Marktwirtschaft überführen. Mit jedem Jahr ihrer kurzen Existenz verschlechterte sich ihr Image und nach ihrem Ende hat sich diese Entwicklung offenbar noch verstärkt. Dabei hat die Treuhand trotz erheblicher Skandale und Betrügereien die ihr gestellte Aufgabe in kürzester Zeit erfolgreich abgeschlossen. Negative Erfahrungen haben dabei vor allem ältere Ostdeutsche, während die meisten jüngeren Westdeutschen die Treuhand nicht einmal kennen. Dabei ist die Treuhand bei Weitem kein ostdeutsches Thema. Scharen von Beamten, Juristen, Gutachtern und Insolvenzverwaltern leisteten damals "Aufbauarbeit" im Osten und starteten ihre Karrieren in der einstmals größten Staatsholding. Die Treuhandanstalt war ein einmaliges Versuchslabor der deutschen Wirtschaft, dominiert von westdeutschen Strukturen und Netzwerken mit politischen Vorgaben, die vor allem den westdeutschen Markt im Blick hatten. Ostdeutsche Spezifik über die Maßen zu berücksichtigen oder zu erhalten war nicht vorgesehen und zeitlich schlichtweg unmöglich. Und genau jenes Tempo scheint sich in der Nachbetrachtung zu rächen und ein Teil der Erklärung zu sein, warum die Treuhand bis heute "ein deutsches Drama" geblieben ist. Sie wird zum Wahlkampfthema in ostdeutschen Regionen, die sich bis heute nicht von den wirtschaftlichen Folgen der Abwanderung erholt haben und auch Beteiligte fragen sich heute, ob es nicht auch andere Wege gegeben hätte. Heute, 30 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, gehen Tom Fröhlich und Michael Schönherr auf Spurensuche in ganz Deutschland: In Unternehmen die bis heute von der Treuhand profitieren und in die Regionen, die nach der Abwicklungen der alten DDR-Betriebe bis heute wirtschaftlich abgehängt sind und wo viele das Vertrauen in Marktwirtschaft und Demokratie verloren haben.