Re:

12:15 - 12:50
Gesellschaft + Soziales, D 2018
Keine Finanzkrise hat die EU-Bürger so sehr an den Rand der Belastbarkeit getrieben wie der Absturz Griechenlands. Mit Unmut verfolgten viele Steuerzahler, wie immer neue Milliardenkredite für das Land bewilligt wurden, trotz kaum erkennbaren Fortschritts. Die Griechen haben in den vergangenen acht Jahren viele Reformen und Entbehrungen durchlebt, ächzen heute unter der Steuerlast. Am 20. August läuft das dritte Hilfsprogramm aus, danach muss das Land wieder eigenständig an den Kapitalmärkten überleben. Viele junge Griechen haben ihre Heimat während der Krise verlassen. Sie flüchteten vor Massenarbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Depression. Kristina Tremonti will ein Zeichen für den Neuanfang Griechenlands setzen. Sie gab ihren gutdotierten Job in New York auf und kehrte nach Athen zurück. Hier führt sie einen Kampf gegen Korruption und Steuerflucht. In Zusammenarbeit mit der OECD und mit eigenen Projekten will Tremonti einen Mentalitätswandel anstoßen: "Damit unser Land eine Zukunft haben kann, müssen wir Griechen eine ernsthafte Diskussion miteinander führen. Wir müssen die Dinge ansprechen und durchgreifen, wenn wir wirklich etwas verbessern wollen." Die 28-jährige appelliert an die Eigeninitiative der Griechen und sieht hier vor allem ihre eigene Generation in der Pflicht. Korruption und Steuerhinterziehung sollen nicht länger hingenommen werden. Doch sie weiß auch: Ohne den Staat geht es nicht. Ein härteres Durchgreifen beweist dieser seit einigen Jahren vor allem in Sachen Steuern. Zivile Fahnder wie Tina Papoti schwärmen täglich überall im Land aus. Doch die hohen Abgaben machen vor allem den kleinen Leuten in Griechenland zu schaffen: "Es ist für alle sehr schwer, zu überleben und gleichzeitig korrekt gegenüber dem Staat zu sein", sagt sie. "Das verstehen wir. Deswegen versuchen wir, möglichst nett zu bleiben. Doch die Steuern müssen bezahlt werden."