Der Glanz der Schattenwirtschaft

09:30 - 10:30
Wirtschaft + Konsum, D 2014
Die Schattenwirtschaft wird verachtet als krimineller Schwarzmarkt, dabei ist sie eine Supermacht", behauptet Robert Neuwirth, ein US-amerikanischer Autor, der auf der größten Müllkippe Afrikas in der nigerianischen Hauptstadt Lagos steht. Hier wühlen Hunderte Menschen im Abfall einer Millionenstadt nach Verwertbarem. Soll das ein Sinnbild einer ökonomischen Supermacht sein? "Zahlen der Weltbank belegen, dass diese Menschen zusammen zehn Billionen Dollar jährlich erwirtschaften. Wären sie Einwohner eines Landes, wäre es nach den USA die zweitgrößte Volkswirtschaft", sagt Neuwirth. Neuwirth recherchiert seit Jahren über die informelle Wirtschaft. Er hat monatelang bei den Menschen gelebt, die Kunststoffe, Altmetall und Elektroschrott sammeln. Viele verkaufen als Straßenhändler gebrauchte Mobiltelefone oder gefälschte Markenartikel. Sie zahlen keine Steuern, sind nicht registriert und haben keinen Schulabschluss. Inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass die Sammler auf der Müllkippe täglich insgesamt 30.000 Dollar erwirtschaften. "Vier von fünf sind informell", sagt Neuwirth, "wenn wir über wirtschaftliches Wachstum in Afrika sprechen, müssen wir über diese informelle Wirtschaft sprechen, nicht über die formellen Unternehmen." "Der Glanz der Schattenwirtschaft" begleitet Robert Neuwirth auf seinen Recherchen in der afrikanischen Metropole Lagos und lässt den Zuschauer eintauchen in die kaum bekannte Welt der informellen Kleinstunternehmer. Er zeigt deren Können, ihre Kreativität und ihre Bedeutung für die Bekämpfung der Armut. Dieses Potenzial entdecken auch immer mehr Ökonomen. "Von den Informellen", so der Sozialökonom Michael Grimm, "kann ein wirtschaftlicher Aufschwung in Afrika ausgehen, der die Armut beendet.