Khomeinis geheime Fatwa

03:55 - 04:53 // Das Iran-Tribunal
Zeitgeschichte, D 2014
Regie: Nima Sarvestani
Iraj Mesdaghi studierte in Kalifornien, als der Schah von Persien 1979 gestürzt wurde. Wie viele andere kehrte er in sein Heimatland Iran zurück in der Hoffnung auf Freiheit und Demokratie. Aber es kam anders. Ajatollah Khomeini nutzte die Gunst der Stunde, die sogenannte Islamische Revolution auszurufen. Für politische Gegner und Kritiker wie Mesdaghi beginnt eine harte Zeit. Repressionen, Verhaftungen, physische und psychische Folter im Namen Gottes stehen an der Tagesordnung. 1988 erlässt Khomeini eine geheime Fatwa, in deren Folge mehrere Tausende iranische Bürger ohne Urteil hingerichtet wurden. Es gibt bis heute keine offiziellen Untersuchungen zu den Verbrechen. Viele Funktionäre von damals sind weiterhin im Amt und genießen Immunität. Mesdaghi selbst verbrachte zehn Jahre in Gefängnissen, lief durch den Todeskorridor und überlebte wie durch ein Wunder. Seit seiner Freilassung lebt er in Schweden und widmet sich der Aufdeckung und Bekanntmachung der Verbrechen im Iran, um im Namen der vielen Opfer die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Zusammen mit dem ebenfalls in Schweden lebenden iranischen Filmemacher Nima Sarvestani ist er Mitorganisator des Iran-Tribunals, eines dreitägigen internationalen Volkstribunals, das im Oktober 2012 in Den Haag stattfand und die Massenhinrichtungen von politischen Gefangenen in den 80er Jahren untersuchte. Dieses Volkstribunal bietet erstmalig die Chance, den Iran für seine Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor ein symbolisches Gericht zu stellen. 20 wichtige Zeugen machen innerhalb von drei Tagen ihre Aussagen, darunter auch Iraj Mesdaghi und Nima Sarvestani. Zusammen dokumentieren sie in schrecklichen Details die Folter und Massenexekutionen, die während der dunkelsten Epoche in der jüngeren Geschichte des Irans stattfanden. Seltene Archivaufnahmen aus der Zeit von Khomeinis Herrschaft ergänzen die Zeugenaussagen.