Katzen und ihre Menschen

22:26 - 23:16
Gesellschaft + Soziales, CH 2018
Katzen sind die beliebtesten Haustiere in der Schweiz. Die fast 1,7 Millionen Katzen sind für Menschen zu Partnern geworden, sind Kinderersatz oder wirken gegen Einsamkeit. Wohl kaum ein anderes Haustier als die Katze löst beim Menschen stärkere Emotionen aus. Dabei scheint für Katzenliebhaberinnen und -liebhaber weder ein finanzieller noch ein zeitlicher Aufwand zu groß zu sein, um ihre Vierbeiner glücklich zu machen. Judy Nancy Belle-Dales Rassentiere behausen eine eigens für sie hergerichtete Dreizimmerwohnung. Die selbständige Vermögensverwalterin besitzt ein 12 000 Quadratmeter großes Anwesen, auf dem sie nebst ihren Luxuskatzen und Hunden auch sieben Pferde beherbergt. Ihre fast grenzenlose Tierliebe sei auf zwei Gründe zurückzuführen, sagt sie: negative Erfahrungen mit Menschen und den unerfüllten Wunsch nach eigenen Kindern. Auch Walter F. liebt Katzen über alles. Um zu beweisen, dass sie keine Einzel- sondern Gruppentiere sind, führte der ehemalige Psychologe mit seinen 46 Stubentigern ein sogenanntes Projekt zur Katzenpsychologie durch. Sein Experiment lief aus dem Ruder: Urin-nasser Boden, Katzenkot unter allen Möbeln und ein Gestank bis hinaus auf die Straße nötigten das Veterinäramt zum Handeln. Fast alle seine Tiere wurden beschlagnahmt. Für Walter F. brach eine Welt zusammen, denn ohne Katzen könne er nicht leben, sagt der alleinstehende Rentner. Manuela Gutermann hat keinen Lebenspartner an ihrer Seite, dafür umso mehr Katzen. Die Single-Frau nimmt auch herrenlose Katzen bei sich auf, um sie zu pflegen. Laut der Tierschutzorganisation NetAP gibt es in der Schweiz rund 300 000 verwilderte Katzen. Durch das Einfangen und Kastrieren dieser Tiere soll die Population eingedämmt werden. Für Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, ist es damit noch nicht getan. Weil Katzen in freier Natur auch bedrohte Tierarten wie Libellen, Frösche und Echsen töten, befürwortet der Umweltschützer radikale Maßnahmen: Ein sauberer Schuss aus dem Gewehr eines Jägers sei besser, als eine verwilderte Katze einzufangen und einzuschläfern, sagt Jenny. Eine Aussage, die ihm sogar Morddrohungen einbrachten.