Weltspiegel

19:20 - 20:00 // Auslandskorrespondenten berichten
Zeitgeschehen, D 2018
Heute: Niederlande - Hungersnot im Paradies
Jemen - Die größte humanitäre Katastrophe
Mexiko - Der unheimliche Jahrestag
Frankreich - Frischer Wind im alten Roubaix
Peru - Dank an die Spender
Irak: Rache oder Versöhnung? Mossul ist eine Trümmerstadt. Die Häuser zerbombt, die Straßen gleichen Schutthalden. In der Altstadt wird immer noch geschossen. Irakische Truppen versuchen, im Häuserkampf die letzten Anhänger der Terrorgruppe des sogenannten "Islamischen Staates" aus der nordirakischen Metropole zu vertreiben. Tausende Zivilisten haben ihr Leben verloren. Hunderttausende sind geflohen. Vor Terror, Massenmord und Krieg. In ihren Seelen sieht es wahrscheinlich so aus wie in den Straßen ihrer Heimatstadt: Trümmerlandschaften. Und noch bevor der Krieg beendet ist, versucht die irakische Regierung in Mossul, das Geschehen aufzuarbeiten. Einige wenige Richter sollen vor Ort Täter identifizieren und gleichzeitig Opfern Gerechtigkeit widerfahren lassen. Im Minutentakt wird abgeurteilt oder entschädigt. Kann so ein Land wieder befriedet und versöhnt werden? Oder siegt am Ende doch die Rache? Eine Reportage von Daniel Hechler (ARD-Studio Kairo) Vereinigte Arabische Emirate: eine Ministerin für Toleranz Sie ist klug, scharfsinnig und voller Ideen: Sheika Lubna al-Qasimi. Ihr Aufgabengebiet: Toleranz. Sie entstammt einer adligen Familie, aber ihren Erfolg hat sie sich selbst zu verdanken. Und das ist eher ungewöhnlich, in dem Land, in dem sie lebt: die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Föderation am Persischen Golf wird monarchistisch und autoritär regiert. Männer machen die Politik. Aber Sheikh Luba al-Qasimi hat gezeigt, dass auch Frauen Karriere machen können. Sie hat im Ausland Informatik studiert, wurde in Abu Dhabi die erste Frau in einem Regierungskabinett und führt nun ein neugeschaffenes Ministerium: ein Amt für Toleranz. Mehr als nur ein Feigenblatt in einem Land, in dem Meinungs- und Versammlungsfreiheit massiv eingeschränkt sind? Alexander Stenzel hat die Ministerin bei ihrer täglichen Arbeit begleitet (ARD-Studio Kairo). Indonesien: die wilden Reiter von Sumba Eine Insel wie ein Wunder. Die Natur: wild und ungezähmt. Und so auch die Menschen auf Sumba. Die meisten sind Christen. Aber viele glauben bis heute an Feuervögel und Krokodilmenschen und an Marapu, den Geist der Vorfahren. Archaisch ist das Denken und archaisch sind manche Sitten. Etwa das Pasola-Fest. Einmal im Jahr, wenn der heilige Nyale-Wurm an den Küsten der Insel auftaucht, findet das traditionelle Reitertreffen statt. Pasola-Kämpfer zweier Clans gehen aufeinander los, schleudern hoch zu Ross dem Gegner ihre Speere entgegen. Nur wenn Blut fließt, so ist der Glaube, wird der Boden fruchtbar und die kommende Ernte reich werden. Nicht selten endet das Fest in purer Gewalt und Chaos. Und doch sagen die Menschen danach: Wir gehen als Freunde auseinander. Bis zum nächsten Pasola. Eine Reportage von Philipp Abresch (ARD-Studio Singapur) Kolumbien: Dörfer des Vergessens Belmiro, ein kleines verträumtes Bergdörfchen in Kolumbien. Jahrhundertelang glaubte man hier an einen Fluch. Ein Fluch, der Menschen "verblöden" lässt. Seit einigen Jahren aber hat das, was sich hier massenweise ereignet, einen Namen: Alzheimer. In Belmiro und einer Handvoll Nachbardörfern sind 25 Großfamilien und über 1000 Menschen von einem mutierten Gen betroffen, das Alzheimer auslöst. Und so tragisch das für die Einwohner ist, bietet genau dieses Gen der Wissenschaft eine einzigartige Chance. Zum ersten Mal weiß ein Forscherteam aufgrund akribischer Analysen, wer in den Gemeinden in Zukunft mit Sicherheit erkranken wird. Und so kann das Team fast wie im Labor erforschen, womit sich die Krankheit bekämpfen lässt. In wenigen Jahren - so die Hoffnung - könnte der Schlüssel gefunden sein. Über die Dörfer des Vergessens: eine Reportage von Xenia Böttcher (ARD-Studio Mexiko) Malawi: Giftige Tabakernte "Wir haben Gliederschmerzen und Kopfschmerzen und fühlen uns schnell sehr müde. Aber nur, wenn wir auf dem Tabakfeld arbeiten - also muss es irgendetwas mit dem Saft der Pflanze zu tun haben." Sagt Goliyati Chibambo, Arbeiter auf einer Tabakfarm im Malawi. Er und seine ganze Familie kennen keine andere Arbeit als das Schuften auf den Tabak-Plantagen. Ohne Schutzkleidung, ohne Atemmaske. Chibambo leidet unter einer akuten Nikotinvergiftung, wie viele seiner Kollegen. 70 Prozent seiner Exporteinnahmen erwirtschaftet das afrikanische Land über Tabak. Aber fast nirgends, so sagen Gewerkschaften, werden einfachste Schutzregeln eingehalten oder Arbeiter über die Gesundheitsrisiken aufgeklärt. Ein Bericht von Thomas Denzel (ARD-Studio Johannesburg)