14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs

13:45 - 14:30 // Die Front
Zeitgeschichte, F/D 2014
Fast alle haben mit einem schnellen Ende des Kriegs gerechnet. Bis Weihnachten, so ihre Überzeugung, sei alles überstanden. Stattdessen wird aus dem europäischen Konflikt ein Weltkrieg. Mehr als 60 Millionen Soldaten kämpfen für ihre Vaterländer. Bald wird aus dem Bewegungs- ein Stellungskrieg. Neue Artilleriegeschütze, Maschinengewehre und Giftgas erfordern immer mehr Opfer. Nicht mehr Tapferkeit, sondern allein der Zufall bestimmt, wer überlebt. Trotzdem wird weiter gekämpft. So viele Menschen sind gestorben, dass deren Opfer nicht vergeblich sein dürfen. Nur der Sieg kann sie rechtfertigen. Verständigung und Frieden sind vor diesem Hintergrund unmöglich geworden. Sarah Macnaughtan stammt aus einer wohlhabenden britischen Familie und hat bereits im Südafrika-Krieg Erfahrung als Krankenschwester gesammelt. Mit dem Zug macht sie sich auf in den Südosten Russlands. Dort will sie in einem Hospital arbeiten, das mit Spendengeldern eingerichtet wurde. Doch Misswirtschaft und Gleichgültigkeit verhindern ihre Mission. Bei Jerewan wird sie Zeugin des Völkermords an den Armeniern. Der Österreicher Karl Kasser erlebt die schweren Kämpfe an der Ostfront. Im Schützengraben leidet er unter Hunger, Ratten und Dreck und unter dem ewigen Warten auf den nächsten Angriff. Einziger Trost für ihn sind die Feldpostbriefe aus der Heimat. Bei einem Angriff wird ein Kamerad schwer verwundet. Er fleht Kasser an, bei ihm zu bleiben. Aber um nicht selbst zu sterben, muss Kassler ihn liegen lassen. Kurz darauf wird auch er von einer Kugel getroffen. Nach Tagen im Zug erreicht Marina Yurlova die russische Front und wird dort zur Kindersoldatin. Bereits mit 16 Jahren ist sie Trägerin des Georgs-Kreuzes, der höchsten militärischen Auszeichnung, die das Zarenreich vergibt. Als Sanitäterin erlebt sie einen Gasangriff und wird bei einer Granatenexplosion verschüttet. Auf einer Patrouille im Niemandsland verliert Ernst Jünger die Orientierung und wird von Soldaten seines Zuges gerettet. Doch dann gerät er in einen Angriff, der mit massivem Artilleriefeuer eingeleitet wird. Sieben Tage und Nächte dauert der Beschuss und zermürbt die deutschen Soldaten. Sie lernen, dass das Überleben nur noch vom Zufall abhängt: "Ich habe keine Angst zu sterben. Aber wenn es denn sein muss, dann Mann gegen Mann, nicht wie ein Insekt, das von einem Stiefel zufällig zertreten wird." Louis Barthas ist Gewerkschafter und überzeugter Pazifist, dennoch wird er an die deutsch-französische Front eingezogen. Dort erlebt er die Schrecken des modernen Krieges. Bei einem einzigen Angriff sterben fast alle seiner Kameraden. Der Befehl lautete: Solange die Einheit besteht, soll wieder und wieder angegriffen werden - ohne Rücksicht auf Verluste. Die Doku-Drama-Serie "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" zeichnet ein neues Bild dieser "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts. Sie erzählt die Geschichte des Ersten Weltkriegs aus der Perspektive ausgesuchter Zeitgenossen, die ihre Erlebnisse in Tagebüchern, Aufzeichnungen und Feldpostbriefen festgehalten haben. Diese Menschen sind keine Kriegsherren und Staatenlenker, sondern einfache Soldaten, Frauen, Jugendliche und Kinder. Ihre Erlebnisse sind in aufwendigen Dramaszenen nachgestellt. Inszeniert wurde ausschließlich, was die Erzähler in ihren Tagebüchern und Briefen festgehalten haben. Diese persönlichen Schicksale sind in dokumentarische Filmsequenzen eingebettet, die vor allem aus zeitgenössischem Film- und Fotomaterial bestehen. Redaktionshinweis: Die beiden weiteren Folgen der vierteiligen Doku-Drama-Serie "14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs" zeigt 3sat am Dienstag, 6. November, ab 22.25 Uhr.